|
Die Pronomen Wie im Schriftdeutschen kennen wir im Terbiner Deutsch das Personalpronomen (persönliches Füwort); das Reflexivpronomen (rückbezügliches Fürwort); das Relativpronomen (bezügliches Fürwort); das Possessivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort); das Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort); das Indefinitivpronomen (unbestimmtes Fürwort); das Interrogativpronomen (fragendes Fürwort).
Das Personal- und das Reflexivpronomen Ich
Einzahl: ich, meiner, mir, mich: ich, miine, mjer, mich (mi) Du
Einzahl: du, deiner, dir dich: dü, diine, djer,(ter), dich Sich
Das rückbezügliche Fürwort sich wird als schich und schi gebraucht: är
hetschi mjessu schäme: Er musste sich schämen. Schii wellunt schich sälbsch
nit grad z' fascht arjemu: Sie wollen sich selber nicht zu viel rühmen. Schii
het schich sälbs (auch: sälbscht) ni Zunga gibissu: Sie hat sich selber in die
Zunge gebissen. Er
er, seiner, ihm, ihn: är, schiine, imu und imm (mu), inu (no). Es
äs, s, sus Sie (dritte Person weiblich)
Sie, ihrer, ihr, sie: schii, ira, ira (ra), schii (scha) Sie, ihrer, ihnen, sie: schii; (schi, sch), iro (ro), ine (ne), schii (schi)
Das Reflexivpronomen Das Reflexivpronomen drückt aus, dass sich eine Handlung auf die
ausführende Person zurückbezieht. Es steht meistens im Akkusativ, seltener im
Dativ: Das Reflexivpronomen "schich" wird durch "anandre" ersetzt, wenn Missverständnisse auftreten könnten: schii freegunt schich: Sie fragen sich (selbst); schii freegunt anandre: sie fragen sich gegenseitig.
Das Relativpronomen Das Relativpronomen bezieht sich auf ein Substantiv im vorangehenden Satz. Es
steht immer bei einem Beziehungswort und lautet einen Nebensatz ein. Bezogen auf ein sächliches Wort im Hauptsatz: Nominativ und Akkusativ: das;
Genitiv: deschschi, Dativ: demmu und demm Bezogen auf ein Wort in der Mehrzahl: Nominativ und Akkusativ: dii; Genitiv:
dero; Dativ: dene Der Nominativ und der Akkusativ sowohl Einzahl als auch Mehrzahl kann ersetzt werden durch wa: A froww, wa flott ässot, ischt gsundi: Eine Frau, die gut isst, ist gesund.D' Eltru, wa irosch Chinder gääru heynt, sind güoti Eltru: Die Eltern, die ihre Kinder gern haben, sind gute Eltern.
Das Demonstrativpronomen Wie sein Name sagt, weist das Demonstrativpronomen sozusagen mit dem Zeigefinger auf etwas hin. der, die das, Mehrzahl: die: Einzahl, männlich: der, des, dem, den: der, des, demu (dem), denu (der) Einzahl, weiblich: die, der, der, die: dii, dera, dera, dii Sächlich: das, dem das: das demm, das Mehrzahl: die, derer, denen, die: dii,(di, d), dero, dene, dii (di und d) Dieser, diese, dieses, Mehrzahl:diese: Männlich: dieser, dieses, diesem, diesen: dische, deschschi, dischum, dische Weiblich: diese, dieser, dieser, diese: dischi, dischera (discher), dischera
(discher), dischi; Sächlich: dieses, dieses, diesem, dieses: dits, deschschi, dischum, dits. Mehrzahl: diese, dieser, dieser, diese: dischi, dischero, dische, dischi Solcher. solche, solches: settige, settigi, settigs, Mehrzahl: settigi Jener, jene, jenes: der wa, dii wa, das wa; Mehrzahl: dii wa
Das Interrogativpronomen Wer? Was? Mit wer wird nach Personen gefragt und mit was nach Sachen und sie deklinieren so: Nominativ: wer, was; Genitiv: weschschi; Dativ: wemm, Akkusativ: wer, was wele, weli, wels: welcher, welche, welches; althochdeutsch: hwelih Einzahl: Wele ischt schoo da: Wer ist schon da? Weli Froww ischt d' hibschta: Welche Frau ist die schönste? Wels hescht dü gsee: Wen hast du gesehen? Weschschi Geyss heyder da: Wessen Ziege habt ihr da? Mehrzahl: Nomintiv: weli; Genitiv: weler, Dativ: wele, Akkusativ: weli Weli heynt das gseyt? Welche haben das gesagt? Wele soli das bringu: Welchen soll ich das bringen. Wels ist das eigentliche Fragepronomen: Wels chunt hiitu dra? Wer ist heute an der Reihe? Wels het das gmacht: Wer hat das gemacht? Weli chumunt bit mjer? Wer kiommt mit mir. Vom althochdeutschen wedar ist geblieben: Einzahl: Nom. und Akk. wädre, wädri, wäders Die Einzahl hat die Bedeutung: welcher von beiden, die Mehrzahl hat die
Bedeutung von: welche von zwei Parteien. Wädre het das gmacht: welcher von
beiden hat das gemacht? Wädre soli rächt gä: Welchen von beiden Parteien soll
ich Recht geben? Bemerkung zum Interrogativpronomen "was": Die Terbiner fragen nicht: mit was? an was? nach was? Sondern:Warmig chanter hälfu: Womit kann ich dir helfen? Wara liggot das? Woran liegt das? Wanaa chunt das: Woher kommt das? Eys old ds andra het immer eppis z' reklamjeru: Der eine oder der andere hat immer etwas auszusetzen.
Das Possesivpronomen Das Possesivpronomen gibt an, wem die Dinge gehören. Sie flektieren wie die Adjektive. Männlich: miine, diine, schiine, iische, ewwe; mein, dein, sein, unser,
euer; Weiblich: miini, diini, schiini, iischi, ewwi: meine, deine, seine unsre, eure. Diini Froww tüot iischi Chjelini hjetu: Deine Frau hütet unsere Kühe. Der aalt Pfarrherr ischt uf schiini Sach ggangu: Der alte Pfarrer hat sein Amt niedergelegt und wird von seinem Ersparten leben. Sächlich: miis, diis, schiis, iiss, ewws: mein, dein, sein, unser, euer Das Possesivpronomen kann auch als Stellvertreter des Substantivs gebraucht werden: Ich hä Miinera gseyt, dass dü chumescht: Ich habe meiner Frau gesagt, dass du kommst. Mit Schiinera chemi nit üs: Mit seiner Frau würde ich nicht auskommen.Diini ischt mer bigägnet: Deine Frau ist mir begegnet.
Das Indefinitivpronomen Das Indefinitivpronomen bezeichnet ein Ding in allgemeiner, unbestimmter Weise. Als Begleiter oder Stellvertreter eines Substantivs: alli, an andre, an andri,
as anners; beedi; as Paar; eppis; jede, jedi jedes; keyne, keyni, keys; menge,
mengi, mengs: sumi; Deklinationsformen: alli: alle Nominativ und Akkusativ: alli, Dativ: alle. Fascht alli Taga sind Bättler z'mjer cho, aber ich hä nit alle eppis gigää: Fast alle Tage kamen Bettler zu mir, aber ich habe nicht allen etwas gegeben. an andre, an andri, as anners Einzahl: Nominativ und Akkusativ: an andre, an andri, as anners; Dativ: ama andru, anera andru; ama andru. Ama andru chänntisch das nit säge: Einem andern könntest du das nicht sagen. As anners Maalsch gseewer iisch wider: Ein anderes Mal sehen wir uns wieder. Mehrzahl: Nominativ und Akkusativ: andri; Genitiv: andrero; Dativ: andre. Mu müoss de andre öü eppis gunnu: Man muss den andern auch etwas gönnen. Mu soll schich in andrero Sachchu nit drimischschlu: Man soll sich in fremde Angelegenheiten nicht einmischen. sumi: manche Es bildet im Singular nur noch den Nominativ und Akkusativ neutrum: sums: manches. Äs ischt besser mu mache sums sälber: Es ist besser, man mache manches selber. In der Mehrzahl bildet es den Nominativ und Akkusativ: Sumi Liit gäänt fascht nje in d' Chilchu: Manche Leute gehen fast nie in die Kirche. Es bildet auch den Dativ Plural: sume: Sume chamu nje eppis arächt machu: Manchen Leuten kann man nie etwas recht machen menge, mengi mengs Es bildet den Nominativ und Akkusativ und auch den Dativ Singular: Menge und
eyne ischt cho: Manch einer ist gekommen. Mengu und eynum häni dische jede, jedi, jedes Es bildet neben dem Nominativ und Akkusativ auch den Dativ: Jedi bringt das nit fertig: Jede Frau bringt das nicht fertig. Jeder Froww chaischt das nit säge: Jeder Frau kannst du das nicht sagen. Aber: Jedera chaischt das nit säge: Jeder Frau kannst das nicht sagen. Grad jedum müoscht nit glöübu: Gerade jedem musst du nicht glauben keyne, keyni, keys Es bildet den Nominativ und Akkusativ Singular: keyne (key), keyni, keys: Ich
hä key Mänsch gsee: Ich habe keinen Menschen gesehen. Aber ich hä keyne gsee:
Ich habe niemand gesehen. Keys Tschütti ischt im Schtall gsi: Kein Schaf war im
Stall. Auch der Dativ Singular wird gebildet: Keynum chamu glöübu: Niemand
kann man glauben. Als Vertreter eines weiblichen Substantivs würde es im Dativ
heissen: Keynera chamu dischi Lascht üüfburdinu: Keiner (Frau) kann man diese
Last aufbürden. etlis: irgend jemand; althochdeutsch etilih Dieses Wort ist noch gebräuchlich im Nominativ und Akkusativ Singular: Ich hä etlis gsee: Ich habe jemand gesehen. Etlis het das gseyt: Jemand hat das gesagt. Aber auch der Dativ ist noch vorhanden: Etlichum chunt das no ds Si: Irgend einem kommt das noch in den Sinn. mu: man mu kommt nur im Nominativ vor, für den Dativ und Akkusativ verwendet man die Formen von "einer". Mu meynt är säge eynum alls: Man meint, er sage einem alles. Der Akkusativ ist auch noch vorhanden: Är cha eys eeländ erteypu: Er kann einen sehr beleidigen. Der Genitiv existiert nur noch im Ausdruck: No eyschschi no keyschschi: gar nichts. njemu: niemand njemu hat im Nominativ, im Dativ und im Akkusativ die gleiche Form: Ich hä njemu gsee: Ich habe niemand gesehen. Njemu bini bigägnet: ich bin niemand begegnet. Der Genitiv ist nur noch selten vorhanden: Dischi Tschiffra kkeert njemuschschi: Dieser Rückenkrob gehört niemand. |