Schreibweise
Wortarten
Das Numerale
Pronomen
Das Verb
Das Adverb
Präposition
Die Konjunktion
Die Interjektion


Das Verb
Das Tätigkeitswort


Das Verb drückt einen Zustand oder einen Vorgang aus.

Die finite Form des Verbs (Personalform).

Die Formen des Verbs, aus denen man die Person ablesen kann, heissen finite Formen.
z.B. ich gaa (erste Person Singular); dü geyscht (zweite Person Singular); är geyt, schii geyt, äs geyt, mu geyt (dritte Person Singular); wjer gää erste Person Plural); jer gäät (zweite Person Plural); schii gännt (dritte Person Plural).

Die infiniten Formen des Verbs
Die unabgewandelten Formen des Tätigkeitswortes

Wir unterscheiden drei infinite Formen:

1. Infinitiv (Grundform): Är meynt alls z'wissu: Er meint alles zu wissen.
2. Partizip Präsens (Mittelwort der Vergangenheit): A drjejunde Böüm: ein gut gedeihender Baum. Der löüffund Jud: der laufende Jude.
3. Partizip Perfekt (Mittelwort der Vergangenheit): Gliwwet ischt öü gschafft: ausgeruht ist auch gearbeitet. Güot gizettots ischt halb gidorrets: Das Heu gut verteilt, ist halb getrocknet.

In Visperterminen wird das Tätigkeitswort zusammen mit dem Fürwort sehr oft als ein Wort ausgesprochen. Darum ist es sinnvoll, diesen Ausdruck auch als ein Wort zu schreiben; z.B. gibras: (gib ira es): gib es ihr; gimmus (gib immu es): gebe es ihm! Gibsus: gib es! gibnes: (gib ine es): Gib es ihnen! Gseeschus: (gseescht dü es): Siehst du es? Gseeders: Seht ihr es; gseewers: (gsee wjer es): Sehn wir es? Die Betonung liegt immer auf dem Tätigkeitswort. Das Tätigkeitswort verändert sich dabei auch manchmal: aus gib mers wird: gimmers; aus het är (hat er) wird heder. Diese Formulierungen gehören zu den kompliziertesten, die eine Sprache aufzuweisen hat. In der italienischen Sprache werden die Fürwörter auch manchmal mit dem Tätigkeitswort (Verb) verbunden und als ein Wort geschrieben.

Die Zeitformen des Verbs

Wir unterscheiden im Schriftdeutschen sechs Zeitformen: 1. Präsens (Gegenwart). 2. Perfekt (Vorgegenwart). 3. Imperfekt (Vergangenheit). 4. Plusquamperfekt (Vorvergangenheit). 5. Furtur (Zukunft). 6. Futur II (Vorzukunft):
Diese Zeitformen werden im Terbiner Deutsch nicht alle gebraucht. So fehlen das Futurum I und II, es fehlt auch der Indikativ Imperfekt und auch der Indikativ Plusquamperfekt.

Der Modus
Die Aussageweise

1. Der Indikativ (Wirklichkeitsform). Im Indikativ steht was sicher, fest und wirklich ist. (Tatsachen). Äs schniijot: Es schneit.

2. Der Konjunktiv (Möglichkeits- und Bedingungsform). Im Konjunktiv steht die indirekte Rede und was gewünscht, gedacht oder angenommen wird. Mu kkeert säge, är gääje bald awägg: Man hört sagen, er gehe bald weg. Schii het gmeynt, schii siige alleynzig im Hüüs: Sie hat gemeint, sie sei allein im Haus.

3. Der Imperativ (Befehlsform). Im Imperativ stehen Befehle und Aufforderungen. Gäät jetz ga hewwu: Geht jetzt heuen! Willt jetz folge, säg! Willst du jetzt gehorchen!

Die Konjugation der Verben
Die Abwandlung der Tätigkeitswörter

Das Präsens
Die Gegenwart

Beim Terbiner Deutsch unterscheiden wir wie im Schriftdeutschen starke und schwache Tätigkeitswörter.

Die starken Verben verändern sich bei der Abwandlung der Gegenwart und auch beim Mittelwort der Vergangenheit.

Ein Beispiel für die starken Verben:

Gegenwart (Indikativ) von schlaafu: schlafen: ich schlaafu, dü schlaafoscht, är old schii old äs schlaafot, wjer schlaafe, jer schlaafet, schii schlaafunt

Nach diesem Beispiel werden alle Verben auf u abgewandelt: schaffu: arbeiten; schtälu: stehlen; bättu: beten; jättu: die Rute geben; hewwu: heuen; träägu: tragen; fälu: das Fell abziehen; ässu: essen; triichu: trinken; chräwwju: kratzen; schtreelu: kämmen; liggu: liegen: schtitzu: stürzen usw. usw.

Die zweite und die dritte Person Einzahl haben oft zwei Formen: dü schlaafoscht old dü schlaafscht: du schläfst; är schaffot old är schafft: er arbeitet; dü schriiboscht old dü schriibscht: du schreibst; är bliibot old är bliibt: er bleibt usw.

Ein Beispiel für die schwachen Verben:

erchranke: krank werden: ich erchranke, dü erchrankescht, är old schii old äs erchranket; wjer erchranke, jer erchranket, schii erchrankent

Nach diesem Beispiel werden alle Tätigkeitswörter, die auf e enden abgewandelt: erwaarme: wärmer werden; erleewe: lauwarm werden; ernjechtre: nüchtern werden; erlame: lahm werden; leyde: hässlicher werden; hibsche: schöner werden: ergaalte: keine Milch mehr geben; reere: meckern von Ziegen gesagt; liwwe: ausruhen; ermjede: müde werden; mälche: mehr Milch geben; biise: davonlaufen vom Vieh gesagt; lüoge: schauen; blääre: blöken; verleyde: verleiden; areyde: steif werden: riipfe: reif werden; füüle: faul werden; erwache: erwachen; gsunde: gesund werden; piischte: keuchen usw.

Bei einer Frage verliert die erste Person das U oder das E: triich ich: trinke ich; erchrank ich: erkranke ich?

Die Bildung des Präsens mit dem Hilfszeitwort tüo.

Die Gegenwart wird sehr oft mit dem Wort tüo gebildet: är tüot Holz schpaaltu; schii tüot schaffu; wjer tje jetz ässu; ich tüo güot schlaafu; schii tjent schich schirrig üüfaregu: Sie regen sich sofort auf. Tjeder hewwu: Bringt ihr die Heuernte ein?
Wenn die Terbiner und natürlich auch die Terbinerinnen einander antreffen, wird nach dem Gruss immer die Frage nach ihrer Arbeit gestellt, obschon diese Frage eigentlich überflüssig ist. Diese Frage gehört zum Gruss und leitet ein kleines Gespräch ein. Tüoscht Holz schpaaltu: Spaltest du Holz? Tjeder Härpfill grabu: Erntet ihr Kartoffeln?

Die progressive Form der Gegenwart

Dann haben wir eine progressive (fortschreitende) Form der Gegenwart. Es handelt sich um eine Gegenwart, die jetzt in der Gegenwart beginnt und in die Zukunft weist. Diese interessante Form wird mit gaa... ga gebildet: ich gaa ga wässeru: Ich gehe die Wiesen bewässern; gääder ga hewwu: Geht ihr die Heuernte einbringen? = Werdet ihr die Heuernte einbringen? Wjer gää hiitu ga heytu: Wir gehen heute Heidelbeeren pflücken. Gääwer ga schlaafu: Gehn wir jetzt schlafen!

Auch der Ausdruck cho.....cho drückt diese progressive Form aus. Ich chumu eww cho hälfu: Ich komme, um euch zu helfen; (das Kommen ist in der Gegenwart, aber das Helfen liegt in der nahen Zukunft). Chumider cho lüoge: Kommt ihr schauen? Chumet cho ässu: Kommt essen! Äs chunt cho schniiju: Es schneit schon.

Auch der Ausdruck laa.....la drückt eine Handlung aus, die jetzt beginnt und in der Zukunft vollendet wird. Wjer lää as Hüüs la buwwu: Wir lassen ein Haus bauen; (der Plan zum Bauen liegt in der Gegenwart, aber die Vollendung des Baues liegt in der nahen Zukunft). Ich laasus la machu: Ich lasse ihn in Ruhe. Ich laa d' Aräbe la schpritzu: Ich gebe einem den Auftrag, meine Reben zu spritzen. Wjer lää la metzggu: Wir lassen schlachten. Redewendung: Laa mi do la sii: Lass mich doch in Ruhe!

Es gibt auch einige unregelmässige Verben:

nä: nehmen; Gegenwart (Indikativ): ich nimu, dü nimscht, är old schii nimt; wje näme, jer nämet, schii nimunt old nämunt;

hä: haben; Gegenwart (Indikativ): ich hä, dü hescht, är old schii het, wjer hey, jer heyt, schii heynt

sii: sein; Gegenwart (Indikativ): ich bi, dü bischt, är old schii ischt, wjer sii, jer siit, schii sint

wellu: wollen; Gegenwart (Indikativ): ich will, dü willscht, är will, wjer welle, jer wellet, schii wellunt

sellu: sollen; Gegenwart (Indikativ): ich soll, dü sollscht, är old schii soll, wjer selle, jer sellet, schii sellunt

mägu: mögen, fähig sein; Gegenwart (Indikativ): ich mag, dü magscht; är old schii mag; wjer mäge, jer mäget, schii mägunt

gaa: gehen; Ggenwart (Indikativ): ich gaa, dü geyscht, är old schii geyt; wjer gää, jer gäät, schii gäänt

cho: kommen; Gegenwart (Indikativ): ich chumu, dü chuischt, är old schii chunt, wjer chume, jer chumet, schii chumunt

laa: lassen; Gegenwart (Indikativ): ich laa, dü laascht, är old schii laat, wjer lää, jer läät, schii läänt
chännu: können; Gegenwart (Indikativ): ich cha, dü chaischt und chaascht, är cha, wjer chänne, jer chännet, schii chännunt

schlaa: schlagen; Gegenwart (Indikativ): ich schlaa, dü schlaascht, är old schii schlaat, wjer schlää, jer schläät, schii schläänt

säge: sagen; Gegenwart (Indikativ): ich säge, du seyscht, är old schii seyt, wjer säge, jer säget, schii sägent

ergaa: ergehen, verganden; äs ergeyt; schii ergäänt

Der Konjunktiv Präsens oder die Möglichkeitsform der Gegenwart

schlaafu: schlafen: ich schlaafe, dü schlaafescht, är old schii schlaafe, wjer schlaafe, jer schlaafet, schii schlaafe

erchranke: krank werden: ich erchranke, dü erchrankescht, är old schii erchranke, wjer erchranke jer erchranket, schii erchranke
Die Endungen sind für alle Verben die gleichen.

Die unregelmässigen Verben haben fast immer auch einen unregelmässigen Konjunktiv Praesens:

nä (nehmen): ich neemi, dü neemischt, är neemi, wjer neemi, jer neemit, schii neemi
hä (haben): ich heyje, dü heyescht, är heyje, wjer heyje, jer heyjet, schii heyje.
sii (sein): ich sii, dü siischt, är sii, wjer siije, jer siijet, schii siije; auch: ich siije, dü siijescht, är siije
wellu (wollen): ich welle, dü wellescht, är welle, wjer welle, jer wellet, schii welle. Är seyt, är welle ga schlaafu: Er sagt, er wolle schlafen gehen.
gaa (gehen): ich gääje, dü gääjescht, är gääje, wjr gääje, jer gääjet, schii gääje; auch: ich gää, dü gääscht, är gää.
cho (kommen): ich chume, dü chumescht, är chume, wjer cheemi, jer cheemit, schii chume und cheemi
laa (lassen): ich lää, dü lääscht, är lää; wjer lääje, jer lääjet, schii lääje
chännu (können): ich chänne, dü chännescht, är chänne, wjer chänne, jer chännet; schii chänne
schlaa (schlagen): ich schlääje, dü schlääjescht, är schlääje, wjer schlääje, jer schlääjet, schii schlääje; auch: ich schlää, dü schlääscht, är schlää, wjer schlää, jer schläät, schii schlää
tüo (tun): ich tje, dü tjescht, är old schii tje, wjer tjeje, jer tjejet, schii tjeje. Dü meyscht, wjer tjeje nit schaffu: Du meinst, dass wir nicht arbeiten.
Die Möglichkeitsform der Gegenwart wird vor allem bei einer indirekten Rede gebraucht: Mu seyt, är chume bald: Man sagt, er komme bald. Är seyt är mjesse bald gaa: Er sagt, er müsse bald gehen. Schii meynt, schii chänne das nit machu: Sie meint, sie könne das nicht machen.

Der Indikativ Imperfekt (Präteritum) fehlt.

Er wird ersetzt duch die Vergangenheit (Perfekt) und diese wird gebildet mit der Gegenwart von hä (haben) oder sii (sein) und dem Mittelwort der Vergangenheit (Partizip Perfekt): wjer sii amabb ggangu: Wir gingen nach unten oder wir sind nach unten gegangen. Wjer hey schoo gwässerot: Wir haben schon gewässert.

Der Konjunktiv Imperfekt (Präteritum) existiert und wird viel gebraucht:

Die Möglichkeitsform des Imperfekts kann einen Wunsch ausdrücken: Gengischt du mjer ins Konsum: Würdest du mir zum Konsum gehen? Immer wenn man im Schriftdeutschen den Ausdruck: ich würde... , du würdest usw. sagt, dann wird der Konjunktiv Imperfekt gebraucht: Ich machti das nit: Ich würde das nicht machen. Ich welltider gääru Gäld gä, weni hätti: Ich würde dir gerne Geld geben, wenn ich Geld haben würde. Är tjeti zer Sach besser lüoge, wennder nit z' füüle weeri: Er würde besser zur Sache schauen, wenn er nicht zu faul wäre.

Konjugation vom Konjunktiv Imperfekt:

von schlaafu (schlafen): ich schlaafeti , dü schlaafetischt, är schlaafeti, wjer schlaafeti, jer schlaafetit, schii schlaafeti. Aber auch: ich schlaafti, dü schlaaftischt, är schlaafti, wjer schlaafti, jer schlaaftit, schii schlaafti.
Jer schlaafetit besser, wennder ds Pfeyschter üüf tjetit: Ihr würdet besser schlafen, wenn ihr das Fenster öffnen würdet.

von erchranke (krank werden): ich erschranketi (auch: ich erchrankti), dü erchranketischt, är old schii erchranketi, wjer erchranketi, jer erchranketit, schii erchranketi.
I settigum Gschtäich erchranketi: In einem solchen Gestank würde ich erkranken.

Konjunktiv Imperfekt von unregelmässigen Verben:

nä (nehmen): ich neemti, dü neemtischt, är neemti, wjer neemti, jer neemtit, schii neemti. Ich neemti a Schlukk Wii, wemmer geebischt: Ich würde einen Schluck Wein trinken, wenn du mir welchen anbieten würdest.
hä (haben): ich heyge, dü heygescht, är heyge; wjer heyge; jer heyget; schii heyge und: ich hätti, dü hättischt, är old schii hätti, wjer hätti, jer hättit, schii hätti. Dü hescht gmeynt schii heyge keys Gääld, das schtimmt aber nit: Du hast gemeint sie würde kein Geld haben, das stimmt aber nicht.
sii (sein): ich weeri, dü weerischt, är weeri, wjer weeri, jer weerit, schii weeri; Wjer weeri cho, wenniwer (auch: wewwer) güoter Lüüno weeri gsi: Wir wären gekommen, wenn wir guter Laune gewesen wären.
wellu (wollen): ich wellti, dü welltischt usw.; sellu (sollen): ich sellti, usw.
Wenniwer läbti wje wer sellti, hätti wer Wätter wje wer wellti.
mägu (mögen, vermögen): ich mägti, dü mägtischt, är mägti, wjer mägti, jer mägtit, schii mäggti. Är mägti schoo, wenner wellti: Er hätte schon Kraft dazu, wenn er wollte.
gaa (gehen): ich gengti, dü gengtischt, är gengti, wjer gengti, jer gengtit, schii gengti. Ich gengtimu ga bigägne, weni Ziit hätti: Ich würde ihm entgegen gehen, wenn ich Zeit hätte. Auch: ich gengi, dü gengischt usw.
cho (kommen): ich cheemti, dü cheemtischt usw.
laa (lassen): ich leeti, dü leetischt usw.
chännu (können); ich chännti, dü chänntischt usw. Ich chemti di cho bsüochu weni chännti: Ich würde dich besuchen kommen, wenn ich könnte.
schlaa (schlagen): ich schlengi, dü schlengischt usw. Aber auch: ich schlääti, dü schläätischt, är schääti usw. Är schlengimi tot, wenner mägti: Er würde mich totschlagen, wenn er könnte.
laa (lassen): ich leetti, dü leetischt, är leetti, wjer leeti, jer leettit, schii leetti; auch: ich ljessi, dü ljessischt, är ljessi usw. Ich leeti das nit la machu: Ich würde das nicht machen lassen.
gää (geben): ich geebti und geebi, dü geebtischt und geebisch usw. Ich geebtider dischi Matta, wennscha welltischt: Ich würde dir diese Wiese geben, wenn du sie haben möchtest.
tüo (tun): ich tetti, dü tettischt, är tetti, wjer tetti, jer tettit, schii tetti. Aber auch: ich tjeti, dü tjetischt, är tjeti, wjer tjeti, jer tjetit, schii tjeti. Wennt besser üüfpasse tettischt, tettider soo was nit passjeru. Wenn du besser aufpassen würdest, würde dir so etwas nicht passieren.
Von wäärdu wird wurd gebraucht: Das wurd schoo waar sii: Das wird (könnte) schon wahr sein.

Die Vergangenheit (Perfekt) wird sowohl in der Wirklichkeitsform (Indikativ) als auch in der Möglichkeitsform (Konjunktiv) gebraucht.

Är weyss, dasser flott gschafft het: Er weiss, dass er gut gearbeitet hat. Är seyt, är heyge güot gschafft: Er sagt, er habe gut gearbeitet. Mu meynt, är siige daa gsi: Man meint, er sei dort gewesen.Mu ischt sicher, är ischt daa gsi: Man ist sicher, dass er dort gewesen ist.

Das Perfekt wird wie im Schriftdeutschen mit haben oder sein im Präsens + Partizip Perfekt gebildet:
Mit haben werden konjugiert: die transitiven Verben z.B. Ich hä di gsee; wjer hey schoo alls gmeet; (Wir haben schon alles gemäht). Jer heyt ds Vee ghjetot: Ihr habt das Vieh gehütet.

Die reflexiven Verben: Ich hämi verwundrot: Ich habe mich gewundert.
Dü heschti gwäschschu: Du hast dich gewaschen.

Die intransitiven Verben, die keine Veränderung des Ortes oder des Zustandes ausdrücken: Dische Meyjo het a Schutz gibljeet: Diese Blume hat lange geblüht.

Mit sein werden konjugiert: Die Bewegungsverben z.B.: Ich bi der ganz Tag gluffu: Ich bin den ganzen Tag gelaufen. Ds Chjeli ischschi gitroolot: Die Kuh ist uns den Abhang hinuntergerollt. Wjer sii in d'undru Schtaale gfaaru: Wir sind nach Unterstalden gezügelt. Schii ischt us um Hüüs ggangu: Sie ist aus dem Haus gegangen.
Die Verben sii und wäärdu: Wjer sii im Telli gsi: Wir sind im Nanztal gewesen. Är ischt eppis woordu: Er ist etwas geworden.

Die intransitiven Verben, die eine Orts- oder Zustandsveränderung bezeichnen: Dische Meyjo ischt verbljet: Diese Blume ist verblüht.

Der Indikativ vom Plusqamperfekt (Vorvergangenheit) existiert im Terbiner Deutsch nicht mehr, wohl aber der Konjunktiv Plusquamperfekt:

Der von Dr. Elisa Wipf geschriebene Satz im Indikativ Plusquamperfekt: är hetsus vergässu kkäbet: Er hatte es vergessen; wird heute nicht mehr gesagt.
Auch der Satz: Ich bi schoo gangu gsi: Ich war schon gegangen, braucht man heute nicht mehr.

Konjunktiv Plusquamperfekt:

von schlaafu: ich hätti gschlaafu, dü hättischt gschlaafu, är old schii hätti gschlaafu,
wjer hätti gschlaafu, jer hättit gschlaafu, schii hätti gschlaafu. Ich hätti lenger gschlaafu, wennt mi hättischt la machu: Ich hätte länger geschlafen, wenn du mich in Ruhe gelassen hättest.

von erchranke: ich weeri erchranket, dü weerischt erchranket, är old schii weeri erchranket, wjer weeri erchranket, jer weerit erchranket, schii weeri erchranket. Ich weeri cho, weni Ziit hätti kkäbet: Ich wäre gekommen,wenn ich Zeit gehabt hätte. Dü hättischt gschlaafu, wemu key Chrach hätti gmacht: Du hättest geschlafen, wenn man keinen Lärm gemacht hätte.

Redensart: Wenn der Wellti und der Sellti nit weeri, de gengi mengs besser.

Die Bildung der Zukunft (Futurum)

Die Visperterminer bilden die Zukunft wie folgt:

1. Mit dem Wörtchen de: ich chumu de: Ich werde kommen.
2. Mit dem Verb wellu: ich willter hälfe: Ich werde dir helfen.
3. Mit dem Verb tüo: ich tüonter hälfu: Ich werde dir helfen.
4. Im Passiv wird das Futurum gebildet mit dem Tätigkeitswort cho: daa chumi no chrank: Dort werde ich noch krank werden; är chunt no riiche: Er wird noch reich werden.
5. Mit Wörtchen, die die Zeit angeben: Ich chumu mooru: Ich werde morgen
kommen.

Leideform (Passiv)

In Visperterminen kennt man kaum die Leideform (Passiv) im Indikativ. Die Leideform wird wiedergegeben mit dem Indikativ Perfekt Aktiv. Man sagt kaum: är ischt erzogu woordu. Man sagt: mu hetno (hat ihn) erzogu: Man hat ihn erzogen = Er ist erzogen worden; oder: schii heyntno erzogu: Sie haben ihn erzogen = Er ist erzogen worden.

Dazu die Möglichkeitsformen:

Konjunktiv Perfekt: Mu meynt, mu heygeno güot erzogu: Man meint, er sei gut erzogen worden. Är het gseyt, schii heyno old schii heygeno gibriglot: Er sagte, er sei verprügelt worden.
Konjunktiv Plusquamperfekt:
Mu hättino gibriglot, wemu (wenn man) hätti därfu: Er wäre verprügelt worden, wenn man keine Angst gehabt hätte.
Die Leideform wird auch gebildet mit dem Wort cho: är ischt wider gwäälte cho: Er ist wieder gewählt worden; är ischt ariiche cho. Er ist reich geworden. Wje chunt das gmachts: Wie wird das gemachts?

Das Mittelwort der Gegenwart (Partizip Präsens)

In Visperterminen braucht man das Mittelwort der Gegenwart (Partizip Präsens) wie im Hochdeutschen: der löüffund Jud; der schtiichund Aropser (das stinkende Aufstossen); schniijundi Guggsa: stürmisches Schneetreiben. Das Mittelwort der Gegenwart aller Verben endet auf - und.

Dann aber kann das Partizip Präsens auch auf u enden und bleibt dann immer unverändert: schii sind flännendu cho: Sie kamen weinend. Schii ischt schnaaggendu derdirr ambrüüf: Sie ging kriechend den Berg hinauf; der Schtey ischt troolendu derdirr ambri: Der Stein ging rollend nach unten.

Das Mittelwort der Vergangenheit (Partizip Perfekt)

Es hat keinen grossen Sinn Regeln aufzustellen für die Bildung des Partizips Perfekt. Man muss diese Bildungen im Gefühl haben: gibibinot:gebebt, zu bibinu; gibissu: gebissen; giblibu: geblieben; gipolot: gepoltert; gipakkt: gepackt; gibredigot: gepredigt; gibschowwot: beschaut; gipfiifot und gipfiffu: gepfiffen; giglöübt: geglaubt; gigrüüset: gegraust; gikkaaltot: versteckt; gideycht: gedacht; gidolet: geduldet; gitaa: getan; gitrüüchu: getrunken; gitseycht: gezeigt; gitswurnot: gezwirnt;
Oft geht beim gi das i verloren: gfallu: gefallen; gfunnu: gefunden; gfreegt und gfreeget: gefragt; gsungu: gesungen; gschlaafu: geschlafen; gladu; geladen; glachchet: gelacht; gmeynt: gemeint; gneedilot: eingefädelt; gwissu und gwisst: gewusst; gwiischt: gewünscht; gjammrot: gejammert;gjütsot: gejauchzt; ggachchrot: gepflügt; ggerbt: geerbt; ggetst: abgeweidet; gghoft: geheftet; ggholfu: geholfen; kkäbet: gehabt; ghüüsot: ein Haus gebaut; kkalbjot: ein Kalb geworfen; kchitsjot: gekizelt; ggareycht: geholt; ggaredt: geredet; ggarächnot: gerechnet;
Das Mittelwort der Vergangenheit (Partizip Perfekt) ist meistens bei den jeweiligen Verben angegeben: löüffu: gluffu; hä: kkäbet und kkä; cho: cho. Es wird wie im Schriftdeutschen gebraucht, um die zusammengesetzten Zeiten zu bilden, und zwar mit Hilfe von sii (sein) und hä (haben). Ich bi gluffu wasi (was ich) hä mägu: Ich bin gelaufen, so schnell ich konnte. Ich bi zer rächtu Ziit daa gsi: Ich war zur rechten Zeit da. Dü heschmer (hast mir) schee gholfu, das tüonter nje vergässu: Du hast mir viel geholfen, das werde ich nie vergessen.

Die Modalverben

In Visperterminen braucht man auch viel die sogenannten Modalverben: chännu: können; därffu: dürfen; wellu: wollen;sellu: sollen; mjessu: müssen; mägu: mögen, vermögen.Diese Verben werden meistens als Hilfsverben verwendet und bezeichnen dann die Art und Weise des Geschehens:
Ich cha hiitu niit z'djer cho: Ich kann heute nicht zu dir kommen.
Das därffoscht niit machu: Das darfst du nicht machen.
Ich willter de säge: Ich werde dir schon zeigen!
Dü selltischt diini Schulde bizalu: Du solltest deine Schulden bezahlen.
Wjer mjesse jetz gaa: Wir müssen jetzt gehen.
Ich mag hiitu key Tschiffra giträägu: Ich kann heute keinen Rückenkorb tragen.
Die Modalverben werden auch als vollständige Verben gebraucht:
Schii het nummu ds Beschta wellu: Sie wollte nur das Beste. Das mag schtimmu: Das kann wohl wahr sein. Ich häno güot mägu: Ich mochte ihn gut.

Der Imperativ
Die Befehlsform

Der Befehl richtet sich an die zweite Person Singular: nimm: nehme; gangg nit awägg: Geh nicht weg!

Der Befehl richtet sich an uns alle (erste Person Plural): gääwer: gehen wir; lääwers: Lassen wir es sein!

Der Befehl kann sich auch an die zweite Person Plural richten: Nämet: Nehmt! Auch als Höflichkeitsform wird die zweite Person Plural gebraucht: Nämet: Nehmen Sie!



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